-

Für Recherchezwecke zur olfaktorischen Wahrnehmung habe ich mich noch einmal – bald dreißig Jahre nach meiner ersten Lektüre dieses Buchs – mit Patrick Süskinds Das Parfüm auseinandergesetzt. Zunächst habe ich mir ein gebrauchtes Exemplar – die gleiche Ausgabe wie meine ehemalige – bestellt, dann die Verfilmung aus dem Jahr 2006 zum ersten Mal geschaut und die Adaption aus 2022. Buch und erstgenannte filmische Umsetzung sind sehr empfehlenswert. In diesem Werk, das – wie ich jetzt erst herausgefunden habe – dem Genre Magischer Realismus zugeordnet wird, habe ich zwar (noch) nicht gefunden, wonach ich gesucht habe. Dafür aber anderes, nämlich unglaublich bildhaft beschriebene Orte, Zeiten, Situationen und Personen, die mich darüber hinwegblicken lassen, dass der Vorbesitzer meines Leseexemplars hier und da interpretative Anmerkungen hinterlassen hat. Sie hingegen sind sogar ein bisschen interessant, denn ich fühle mich jetzt beim nochmaligen Lesen gleichzeitig so, als säße ich inmitten einer Buchbesprechung. Mein bisheriges Lieblingszitat lautet: »Das geruchlose Kind roch ihn schamlos ab, so war es! Es witterte ihn aus!« Was für ein Bild! Unglaublich!
Über die beste Freundin einer Freundin ist scheinbar Wolf Spillners Wasseramsel zu mir gekommen, denn ihr Name steht in blauer Schulschrift in meiner Ausgabe. Das muss in den 1980ern gewesen sein, denn kurz vor dem Ende der DDR zog meine Freundin in die Niederlande und ihre Freundin beendete die Schule, sodass es keinen Kontakt mehr gab. Das Buch allerdings ist in meinem Leben geblieben – und diesen Sommer habe ich es zum ersten Mal gelesen! In der größten Online-Enzyklopädie steht, dass es ein Aufklärungsbuch für Jugendliche sei. Na ja … Was ich allerdings bei dieser Geschichte spannend und auch realistisch dargestellt fand, waren die sozialen/politischen Lebenswelten, in denen die erwachsenen Nebendarsteller verortet waren. Hinzu kommen die zumeist schwarz-weißen Illustrationen von Jörn Hennig, die mir wirklich ausgezeichnet gefallen.
In Iron Woman erzählt die Autorin Rebecca Maria Salentin, wie sie vom Schwarzen Meer zur Barentsee geradelt ist. Sie ist damit die erste Frau, der es gelungen ist, diese zehntausend Kilometer lange Strecke mit dem Drahtesel zu bezwingen. Dieses ist das zweite Buch, das ich nach Klub Drushba von ihr gelesen habe. Ich mag besonders ihren klaren, berührenden, aber auch oft humorvollen Erzählstil und bewundere sie selbst für ihre Offenheit und den Mut, derartige innere und äußere Reisen anzutreten und sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Nach dem Lesen dieses Buchs fühlte ich mich motiviert und angespornt, meine erste eigene Dreißig-Kilometer-Strecke mit dem Rad, das ich als Findelkind im Hof adoptiert habe und bei dem nur ein Gang funktioniert, anzugehen. Ich war ganz schön aufgeregt, erlebte dabei warme Sonne, kalten Wind und frischen Regen, aber dachte jedes Mal: Was würde Rebecca jetzt tun? Kurzum: Ich habe es geschafft! Juchu!
Krick und Krack ist ein fabelhaftes Kinderbuch von Ladislav Dvořák mit den hübschesten Illustrationen von Zdenka Krejčovà. Es muss eins der ersten Bücher gewesen sein, die mir meine Oma als kleines Kind vorgelesen hat. Denn als ich es kürzlich aus dem Regal nahm und in ihm blätterte, fühlte ich mich in Momente zurückversetzt, die in weiter Vergangenheit liegen. An die Geschichte kann ich mich nicht mehr so gut erinnern, aber an jede Zeichnung im Buch! Nun lese ich die Geschichte dazu und kann, obwohl ich das Ende bisher nicht kenne, sagen, dass sie mir bis dato hervorragend gefällt: Krick und Krack sind ein kleiner Junge und seine jüngere Schwester, die beim Herumtollen auf einer Wiese in ein kleines Loch fallen und somit in der Mäusewelt landen, in der vieles verkehrt herum ist und in der der Zauber der Musik Brücken schafft. Wie wundervoll!