DIE NOTENSPUR

Die Notenspur ist eine Kurzgeschichte von Corina. Idee, Geschichte und Film stammen von Corina, die Musik von Hendekagon.


 

Corina Retzlaff ist die Gründerin von finetexts. Sie bekam ihre Vorlieben fürs Lesen, Erzählen und Zeichnen vererbt und schrieb mit zwölf Jahren ihre erste Kurzgeschichte. Zuletzt erschien ihr Lyrikband Bewildered mit Musik von INYAN.

THREE-WAY ASSOCIATION

Three-way Association by Selfish Limbs is a four-track concept album of ambient music, eclectic words, and minimalistic graphic artwork. As the seventh release of the Adventurous Music Book Series, it starts with the sound of spherical crackles and ethereal voices which sometimes seem like coming from Nordic folk music. In addition, choral soundscapes and soft drone-like atmospheres alternate, and dark horizons meet soothing bass. While listening to this, the clear written words almost like lyrics form visual content and take the reader on an exciting trip to different times and fictional periods, where they repeatedly dissolve into zen-like swirls or dark annual rings on a warm white ground created by visual artist Alexandros Tsolakis. Finally, this masterpiece feels like a meditative soundtrack with an interesting electrifying vibe.

Selfish Limbs composes minimalistic electronic music using modified everyday sounds and unique field recordings. Originally from Greece, he currently resides in Finland. Three-way Associations is his 4th full-length album. Alexandros Tsolakis is a contemporary visual multimedia artist practicing fine art and optical experimentation. His latest artwork O-T-H-E-R, a marble sculpture, is currently presented in the Museum of Fine Art Budapest. Additional voice by MAU, layout by Ronny (a.k.a. Signalstoerung), proofreading by Corina. This hardcover book is available via Adventurous Music.


You can find further information on both artists here:
selfishlimbs.bandcamp.com
alexandros.cc

CORINAS LESETIPPS II READING TIPS * ED. 04 I 22

Im Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe habe ich diesen Sommer einen Literaturautomaten der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe entdeckt. Wie bei einem Getränkeautomaten können sich neugierige Leselustige hier für kleines Geld Ausgaben der Edition KLAK ziehen. Ich entschied mich spontan für zwei Heftchen – die Nr. 13 Textil und die Nr. 16 Mord – und bereue es ein wenig, an diesem Tag nicht in größerer Shoppinglaune gewesen zu sein. Denn die Inhalte dieser kleinen Heftchen – seien es nun Gedichte, kurze oder auch längere Geschichten – sprudeln nur so vor Kreativität und Inspiration. Ganz besonders die Texte von Moritz Jähde wie Reimtextilien oder Ich begeh‘ einen Mord haben es mir angetan. Nachhaltig gute Unterhaltung also. Sehr schön!

Bei 50 Ways To Leave Your Ehemann von Jacinta Nandi bin ich Wiederholungstäterin gewesen. Erst kürzlich habe ich diese Autorin entdeckt und ihr Vorgängerwerk gelesen. In dieser aktuellen Publikation bot sich nun die Gelegenheit zu erfahren, wie sich ihr Lebensfaden weitergesponnen hat und welche Herausforderungen gegenwärtig auf eine alleinerziehende Mutter in Deutschland warten. Interessant und frustrierend zugleich waren ihre Ausführungen für mich, hoffe ich doch nach wie vor, dass mehr Wissen, mehr Technik, mehr Möglichkeiten irgendwann einmal zu Einfachheit, Leichtigkeit und mehr Lebensfreude für alle führen. Bloß: Wo bleibt nur dieses Irgendwann? Eine nachdenklich stimmende Lektüre, gedruckt auf Papier aus verantwortungsvollen Quellen.

Die Weihnachtsmannfalle von Christamaria Fiedler mit Illustrationen von Konrad Golz ist genau das Buch, das ich bisher am meisten gelesen habe. Es ist seit meiner Kindheit mein literarischer Adventskalender, jeden Tag im Dezember lese ich ein Kapitel, wie es dem um den Weihnachtsmann besorgten kleinen Sebastian aus dem Städtchen Birkenwalde nun während des Advents in der neuen Wohnung in der großen Stadt ergeht und was er so alles im Hochhaus und vor allem an Heilig Abend erlebt. Was für andere Drei Haselnüsse (na gut, das schau ich auch), Dinner For One oder Phillip Boa in der Moritzbastei ist, ist dieses Buch für mich: eine wundervolle Tradition.

Dorle die Dohle von Josef Seget ist ein Erbstück von meiner Oma. Ich weiß nicht, wie sie zu diesem Buch gekommen ist, aber seit vielen Jahren schon ist es nun in meinem Besitz – und kürzlich habe ich es auch endlich gelesen. Es schildert die möglicherweise wahren Begegnungen der zahmen Protagonistin mit Mensch und Tier in einer sehr artenreichen Umgebung, die wohl in der ehemaligen Tschechoslowakei liegt. Das Buch ist aus den 1960ern und enthält zahlreiche, teilweise collagierte Tierfotografien in schwarz-weiß, die nur annähernd vermuten lassen, wie aufwändig ein Buchsatz ohne flinke Grafikprogramme damals wohl war. Ein tolles Buch, besonders für Kids.

IBIDEM

Ibidem is a collaborative project between experimental composer Iván Muela and visual artist Meneh Peh. It is presented as a 3-hour drone ambient album accompanied by a book of analog photo collages inspired by the music and the creative process behind it, often with an aesthetic marked by surrealism and abstraction. Each track is made using one single signal chain, often consisting of Muela’s handmade synthesizers, housed in coffee tins and glass jars, and a series of guitar pedals. It is the sixth release of the Adventurous Music Book Series. Layout by Ronny (a.k.a. Signalstoerung), proofreading by Corina. This softcover book is available via Adventurous Music.


You can find further information on both artists here:
www.ivanmuela.com/
menepeh.tumblr.com

Das Open Air

Das Open Air ist eine Kurzgeschichte von Corina und gleichzeitig ihr Beitrag zum bundesweiten Vorlesetag am 18.11.22. Idee, Geschichte und Film stammen von Corina, die Musik von Hendekagon.


 

Corina Retzlaff ist die Gründerin von finetexts. Sie bekam ihre Vorlieben fürs Lesen, Erzählen und Zeichnen vererbt und schrieb mit zwölf Jahren ihre erste Kurzgeschichte. Zuletzt erschien ihr Lyrikband Bewildered mit Musik von INYAN.

CORINAS LESETIPPS II READING TIPS * ED. 03 I 22

Bei Kinderland von mawil habe ich mehrere Ausnahmen gemacht. Eigentlich hatte ich online nach ganz anderen Comics oder Graphic Novels Ausschau gehalten. Doch dann wurde mir dieses empfohlen. Und weil mich das Cover (sowohl sein Stil als auch die abgebildeten Themen) angesprochen hat und ich scheinbar in Kauflaune war, habe ich den Klick riskiert. Die zweite Ausnahme war die Lesereihenfolge: erst Ro, dann ich. Eigentlich mag ich es ja nicht, wenn ich mir ein Buch kaufe und jemand anders es dann vor mir liest und möglicherweise etwas verrät. Aber dieses Mal ging es gut, ich konnte das Spoilern in ein Teasern abfälschen und freute mich schließlich, mit mawils Hilfe erneut in meine eigene Jugend voller Tischtennis, Ferienlager und Mauerfall abzutauchen.

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis. Empfohlen von einem talentierten Autor, dessen Texte ich regelmäßig redigiere. Na gut, dachte ich, schaue ich mir Widerfahrnis von Bodo Kirchhoff einmal genauer an. Und siehe da, eine Inspiration. Ausführliches, detailliertes Erzählen, das mag ich. Und auch Selbstbestimmtheit. Denn ohne Anführungszeichen geht scheinbar auch. Sehr schön. Außerdem: Gedruckt auf Papier aus verantwortlichen Quellen.

So. Komme ich zu Career Suicide von Bill Kaulitz. Knapp vierhundert Seiten in nur sieben Tagen gelesen. Spricht das alleine schon für dieses Buch? Ich denke schon – und lege diese Autobiografie deshalb vor allem Menschen ans Herz, die sich für die Werdegänge musikalischer Newcomer und für – ich sage es mal so – kritisch zu hinterfragende Abläufe in der Musikindustrie interessieren. Manchmal denke ich nach dem Lesen von Musikerbiografien: Kennt man eine, kennt man alle. Denn Sex and Drugs and Rock’n’Roll, Abstürze und Enttäuschungen gehören scheinbar immer dazu und bieten sicherlich auch oft den Stoff fürs nächste Album. Aber diese hier ist doch ein bisschen anders, vor allem durch ihre feine Prise ostdeutsche Provinz des 21. Jahrhunderts. Das hat mir ganz gut gefallen. Auf FSC-zertifiziertem Papier gedruckt.

Die schlechteste Hausfrau der Welt von Jacinta Nandi hat mir doch tatsächlich jemand nahegelegt, der durchaus aussagekräftig im Hinblick auf mein ganz individuelles häusliches Engagement ist. Tja, was soll ich dazu sagen? Dieses Buch fetzt. Die Autorin beschreibt frisch und frei und sehr unterhaltsam von der Leber weg, wie sich ihr Leben als Autorin, Mutter, Feministin, Partnerin, Freundin, Tochter und eben Putzfrau in den eigenen vier Wänden gestaltet. Und dieses Buch fetzt auch, weil ich es mag, wenn ich in belletristischen Werken Worte recherchieren muss. Jawohl! Hier war es #tradwives. Ach herrje!

CORINAS LESETIPPS II READING TIPS * ED. 02 I 22

Eyes that Kiss in the Corners by Joanna Ho is a wonderfully written children’s book. I especially love the beautiful illustrations by Dung Ho, and all the magical descriptions, about how eyes can be. Have you ever considered that brown eyes can look like warm tea? How lovely!

Some time ago I wrote a short piece about my experiences as a female artist and contributed it to the independent zine Women of Noise for their first issue to come. And guess what, it’s out now feat. great artwork by over twenty female musicians. Despite the fact that I am super happy that my poem and artwork made it into the zine (p. 53), my favorite quote is from the poem by Temperance of Sleep, „I am 19 and just released my first solo music. Messages pour in from men around the world, „did you really make this by YOURSELF?!“

Eigentlich lese ich nicht oft gruselige Geschichten, aber dann habe ich mich von Gou Tanabes fantastischen Illustrationen magisch angezogen gefühlt und mich dann doch getraut, die Comic-Adaption von H.P. Lovecrafts Die Farbe aus dem All zu lesen. Düster und seltsam, aber auch fetzig umgesetzt. 

Horst A. Friedrichs und Stuart Husbands Coffee-Table-Book Buchhandlungen – Eine Liebeserklärung ist voller toller Portraits von kleinen und größeren Buchläden aus der ganzen Welt – und obwohl ich es liebe, in Indie-Buchläden zu stöbern, kenne ich bis auf die Bouquinisten an der Pariser Seine keinen weiteren hier vorgestellten. Oder kann mich nicht erinnern, weil der Besuch vielleicht schon viel zu lange zurückliegt. Gedruckt auf Papier aus verantwortungsvollen Quellen, haben die großformatigen Bilder jetzt zwar mein Fernweh geweckt, mir aber auch die Gelegenheit gegeben, schon von meiner bequemen Couch aus in literarische Höhlen und Schluchten abzutauchen. Bis bald!

BEWILDERED

Have you ever wondered what animals might think regarding certain human actions and behavior? And have you ever asked yourself what this planet would be like if humans would treat animals with respect and would pay attention to their needs starting with the little things? Well, Bewildered is dedicated to these creatures that are not yet on the red list of threatened species. It is a concept book created by Corina that includes watercolor illustrations, poems, and experimental electronic sound art by INYAN. Cover layout and typesetting by Ronny, printed on recycled paper. So this piece of art is for every single human being and you can get your copy from now on. 


 

Corina Retzlaff is the founder of finetexts. She inherited her love for reading, storytelling, and drawing and wrote her first short story when she was twelve years old.

CORINAS LESETIPPS II READING TIPS * ED. 01 I 22


„What I like most of all is to walk until I nearly collapse. To sense the pleasure and exhaustion and the absurdity of walking all blending together, until I can no longer tell what is what. My head changes. I don’t care what time it is, my head is devoid of all thought, and I become a part of the grass, the stones, the moss, the flowers and the horizon.“ Yeap, that’s about it, well said, Erling Kagge, author of Walking – One Step At A Time. Also, the book is made of paper from responsible sources.

In The Absolutely True Diary Of A Part-Time-Indian Sherman Alexie writes about the hardships Native American kids still have to face in the twenty-first century. Nevertheless, the story is narrated in some kind of funny way and comes with a lot of encouragement, hope, and faith, that many things are possible despite their first appearance. So it’s a good read for any teenager who wants to learn more about the life of young indigenous people. Besides that, the illustrations by Ellen Forney are pretty cool. 

This Is How It Always Is by Laurie Frankel tells about a family raising a transgender kid. Here you’ll find some lovely parents, supportive siblings, and a wonderful and truly amazing child – and on the other hand … well, society a.k.a. strange teachers, weird fathers and mothers, and outdated ideas. So this book is a rather sad one, but really worth the time spent reading.

Just in case you’re a music nerd and ever wondered what a micro record label is and how to found one, Micro Record Label by James Norman is the book for you. The author once founded Brian Records and tells in a very entertaining voice what things to do and what ideas to better drop. He also showcases a lot of pretty amazing artwork when it comes to limited edition audio storage devices. I enjoyed reading all the valuable info and also loved the layout and design a lot. 

CORINAS LESETIPPS II READING TIPS * ED. 04 I 21

Nachdem mir kürzlich in einer Leipziger Buchhandlung auf die Frage nach explizit Leipziger Autoren ausschließlich Lene Voigt wärmstens empfohlen wurde, dachte ich, ich müsse nun auch das mal selbst in die Hand nehmen: ein Shout-out an die durchaus noch quicklebendig unter uns weilenden tollen Leipziger Autoren und Autorinnen, deren Werke ich teilweise hier auch schon vorgestellt habe oder es ab sofort tun werde. Von manch einem unter euch habe ich bereits alle Bücher gelesen, von einigen einige und den einen oder die andere habe ich erst kürzlich entdeckt und lieben gelernt. So auch Marcel Raabe und sein Buch Westen werden, das Philipp Janta richtig toll illustriert hat. Es steckt voller Erinnerungen an eine bewegte Zeit, die mich beim Lesen sehr oft schmunzeln, nicken und sentimental zurückblicken ließen. „Ich erinnere mich an den Walkman. … Der Walkman schloss den Himmel auf. Er roch nach Schmiere und Plastik und die Kassettenmagnetbänder irgendwie technisch, ölig, metallisch, süßlich, staubig. Ich erinnere mich auch an den Geruch von Intershops.“ Na und ich erst! Also, dieses Buch: kleine Auflage, große Kunst!

Und weiter gehts mit literarischen Neuentdeckungen aus der Pleißestadt. Janine Lückerts Liebe Leipzig habe ich geschenkt bekommen, denn jemand kennt jemand kennt jemand kennt Luzie Holzgräbe, die dieses coole Buch wundervoll illustriert hat. Hui, dieses Buch fetzt! Und das nicht, weil Leipzig so toll ist, wie immer alle finden, die hier frisch gestrandet sind. Nein, es rockt, weil es der Autorin echt gut gelungen ist, die eher schwierige und vielleicht sogar rückläufige Entwicklung dieser Stadt in den letzten zwanzig Jahren sehr humorvoll, emotional und vor allem kritisch zu beschreiben. In Gedanken bin ich mit ihr die Straßen und Viertel, die ich selbst wie meine Westentasche kenne, entlanggegangen und habe mich gern an zurückliegende Zeiten in unsanierter Leichtigkeit erinnert. Doch dann kommt sie, die Frage: Bleiben oder gehen? PS: Die Sticker auf dem Cover hier stammen von mir. 

We Are Water Protectors written by Carole Lindstrom and illustrated by Michaela Goade is a fantastic children’s book when it comes to environmentalism and the Indians‘ point of view. The artwork really is beyond beautiful and if it wasn’t about a very serious topic, reading the book would be pure joy. „We fight for those Who cannot fight for themselves: The winged ones, The crawling ones, The four-legged, The two-legged, The plants, trees, rivers, lakes, The Earth. We are all related“ is my favorite quote. 

I enjoy reading artist biographies so This Is Supposed To Be A Record Label by Frans De Waard was my purchase when Ro and I finally made it into the Staalplaat record store in Berlin last summer. The author was an employee at Staalplaat for eleven years and gives the reader many insights – or not. I for myself enjoyed reading about some of my favorite artists and their releases on Staalplaat. Furthermore, it was interesting to learn about creative processes back then and how the label started out. Remembering that day in the record store I am happy to announce that the Staalplaat spirit from the 80s is still alive somehow.