• The Slavic Myths by Noah Carney and Svetlana Slapšak was on my reading wish-list after a well-known German witch recommended the book. For years now, I’ve been researching small ethnic communities across the Slavic world – some of which have even been declared extinct, largely because their fixed (extended-family) kinship groups no longer exist in quite the same form as they did perhaps a hundred years ago. In many cases, they’ve been politically absorbed into today’s mid- to eastern-European countries, but in some places their cultural traditions still live on, thankfully passed down from one generation to the next. Interestingly, many of the myths closely tied to these traditions were adapted somewhere else centuries ago and have since become popular bestsellers. In this book, for example, the authors explore the god Perun, as well as werewolves and vampires. Alongside the fascinating insights I took from the book, I also really enjoyed Joe McLaren’s striking black-and-white illustrations. The book is printed on FSC-certified paper.

    Sibylle Bergs La Bella Vita wurde mir als Lesestoff empfohlen. Hierbei handelt es sich um eine Utopie, den letzten Teil einer Trilogie sogar, deren Grundgedanken ich gar nicht für so utopisch halte. Die Autorin zeichnet hier ein Bild von einer solidarischen, postkapitalistischen Gesellschaft, wie sie durchaus gestaltbar ist und überlebensfähig sein könnte. Ich habe mir bestimmt dreißig Stellen markiert, die ich für zitationswürdig empfinde; drei davon lauten: »Damals, als man noch das WWW nutzte, war es so einfach gewesen, mit ein paar gut programmierten Bots die Bevölkerungen zu verblöden, sie mit Algorithmen, Wikipedia und Deepfakes gegeneinander aufzuhetzen, sie zu verwirren, sie glauben zu machen, das Game gewinnen zu können, wenn sie auf der richtigen Seite stünden. (…) Kurzfilme funktionieren. Momentaufnahmen aus der neuen Welt, von unterschiedlicher Qualität. Gerade läuft ein rührender Film über die Rehabilitierung von Patientinnen, deren Hirne von Nanobots gekapert gewesen waren. Sie waren Zombies mit gesteuerten Gefühlen, der Gier auf neue Produkte, neue Waffen, sie wurden zu Rassisten gemacht oder zu Homohassenden. Nun mussten sie neu lernen, dass es ein Leben außerhalb des Netzes gibt, dass man frei denken, sprechen und leben kann. Tränen, Willkommensszenen, wenn Familienmitglieder ihren dumpfen Verwandten zum ersten Mal wieder als Menschen umarmen. (…) Später. Sitzen wir nebeneinander, nachdem Pjotrs Therapiestunde beendet ist. ›Ich will nun überhaupt nicht mehr Peter heißen‹, sagt er, ›das war ein Versuch, normal zu sein, mit einem normalen westlichen Namen, aber was ist dieser sogenannte Westen überhaupt? Gibt es ihn oder ist er eine Erfindung, um den Rest der Welt abzuwerten?‹« Um die Welt zu einer anderen, vielleicht hinsichtlich des Gemeinschaftsgedankens zu einer zukunftsfähigeren zu machen, würde es aber auch schon genügen, wenn sich Neugierige die Kapitelüberschriften nähmen, sie wie ein persönliches Manifest verstünden und versuchten, danach zu leben. Viele der bald einhundert Punkte sind auch für den Einzelnen oder kleine Gruppen bereits umsetzbar, denn die Autorin hat sie nicht frei erfunden, sondern indigene Gruppen weltweit und auch unsere europäischen Vorfahren haben einst und für die Dauer von Äonen bereits nach diesen Prämissen gelebt. Es ist also möglich, man muss es nur wollen! PS: Natürlich ist das Buch auf FSC-Papier gedruckt.

    Naturrituale – Mit schamanischen Ritualen zu den eigenen Wurzeln finden von Wolf-Dieter Storl ist ein weiteres Buch dieses Autors, das ich Ethnologen, Kulturanthropologen oder Pflanzenliebhabern wärmstens empfehlen kann. Es ist voller nützlicher und interessanter Infos über Gewächse, die man einerseits vielleicht schon kennt und/oder leicht in der Natur identifizieren kann. Für mich funktioniert das Buch einerseits als spannende Lektüre und andererseits als Nachschlagewerk oder Wissensschatz, denn ich kann mir unmöglich all die aufgeführten Fakten merken. Was ich aus der Zeit mit diesem Buch aber insbesondere mitnehme, sind ein gewisses Urvertrauen in Althergebrachtes und einen wunderbaren Kulturvergleich, der bezeugt, dass wir Menschen doch alle recht ähnlich ticken.

    So, in dieser Ausgabe meiner Lesetipps nun zum dritten ostdeutsch-stämmigen Autor (wenn ich den Angaben im Netz vertrauen darf) namens Jakob Hein und seinem Werk Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste. Ich war Anfang des Jahres auf der Suche nach leichter Unterhaltung – und habe mich nach ordentlicher Sichtung für dieses Buch entschieden. Nicht so sehr, weil es immer lustig ist, wenn mehr oder weniger normale Menschen versehentlich in den Genuss von Haschisch kommen und dann urplötzlich nicht mehr steif, sondern wahnsinnig putzig sind. Das entspricht nämlich nicht so ganz meinem Humor. Meine Wahl fiel auf dieses Buch, weil sich mir beim kurzen Hineinlesen eine Zeitreise offenbarte zurück in meine DDR-Kindheit in den Achtzigern und einem damit verbundenen Wiedersehen mit, sagen wir, recht originellen Charakteren, wie sie mir auch im real Life damals begegnet sind. Hinzu kommt der unglaublich coole Plot, in dem sich die Protagonisten – möglicherweise nur für Ostdeutsche realistisch und nachvollziehbar – urkomisch entwickeln. Beim Lesen folgender Szene habe ich Tränen gelacht (nochmal: wahrscheinlich nur für Ostdeutsche lustig): »›Wie hat sich der Rausch auf Ihre Einstellung zum Sozialismus ausgewirkt?‹ – ›Positiv‹, sagte Grischa, wusste aber nicht, wie er das belegen sollte.« Auch dieses Buch ist auf FSC-Papier gedruckt.