• Unsere Wurzeln entdecken ist, soweit ich mich erinnere, das dritte Buch von Wolf-Dieter Storl, das ich gelesen habe. Es ist bereits 2009 erschienen, aber ich habe es erst vor ein, zwei Jahren für mich entdeckt und letztes Jahr dann geschenkt bekommen. Es ist ein sogenanntes Interviewbuch und damit ein Format, das mir besonders gut gefällt, denn als Journalistin mag ich es selbst sehr gern, Interviews zu führen. Sie ermöglichen meist einen leichten Einstieg in ein Thema, das nach Lust, Laune und Zeit vertieft werden kann. In diesem Fall hat Dirk Grosser vom Aurum Verlag, bei dem das Buch erschienen ist, den bekannten Ethnobotaniker zu seiner Sichtweise auf das Leben und das Menschsein an sich befragt, und dessen Antworten waren erneut sehr aufschlussreich für mich.

    An interview is also the focus of Ben Lerner’s Transcription. I actually picked it up this spring in my small local bookshop because I enjoy transcribing interviews and lectures myself — meaning I listen to them and write them down simultaneously. I found it exciting and amusing that someone had written a book about this. However, while reading, my positive curiosity transformed into a profound sense of being moved. Although I initially wanted to know, from a purely practical perspective, how other journalists cope when their dictaphone or voice recorder app packs up and makes a recording impossible, after a few pages, literary fiction began to intertwine with my own personal experiences and feelings. I was captivated right from the very first paragraph by a particular perspective. Here, the first-person narrator describes how his ten-year-old daughter refers to sitting backwards on a train journey not as ›looking the wrong way‹, as her father does, but as ›facing the past‹. This perspective fascinates me to this day. In any case, I have found mixed reviews within my literary circle so far, but for my part, I can highly recommend it — not least because it is printed on FSC-certified paper.

    Von Frau Komachi empfiehlt ein Buch von Michiko Aoyama habe ich mich inspirieren lassen, als ich durch den größten Buchladen in der Leipziger Innenstadt geschlendert bin. Da gibt es seit einiger Zeit eine kleine Ecke mit japanischer Literatur, in der ich in der Vergangenheit bereits mehrfach tolle Bücher entdeckt habe. Ich mag die leichte Sprache der Schreibenden, die ich bisher gelesen habe, und die mehr oder weniger alltäglichen Themen mit ihrem Touch Weirdness, die die Bücher für mich immer wieder magisch-realistisch erfahrbar machen. Bei diesem Buch ist es nun wiederum zusätzlich noch so, dass es um fünf verschiedene unglückliche Lebenssituationen geht, die durch den Kontakt mit Frau Komachi jeweils eine unvorhersehbare, aber glückliche Wendung finden. Wie eine Apothekerin eine Medizin verschreibt, die einen Heilungsprozess im Körper anstößt, so scheint der Kontakt mit der Bibliothekarin zu sein. Wunderbar (und auch auf FSC-Papier gedruckt)!

    Die Verschiebung der Zeit ist mein eigenes Werk. Die Frage, wie unterschiedlich wir Menschen Zeit verstehen und wie wir mit knapper oder reichlicher Zeit umgehen, beschäftigt mich seit vielen Jahren. Meine Recherchen, Gedanken und Erlebnisse habe ich letztes Jahr in diesem kleinen Buch vereint. Der Videokünstler Francis Théberge aus Montréal (Kanada) hat zu jedem der zweiundzwanzig Kapitel ein Bild erstellt und der Musiker Hendekagon hat sich von Text und Bild zu einem experimentell-elektronischen Soundtrack inspirieren lassen, den es als Download-Code zum Buch gibt und den man, wenn man mag, während des Lesens hören kann. Das Buch ist klimaneutral und nachhaltig gedruckt und man bekommt es hier.