• Für Recherchezwecke zur olfaktorischen Wahrnehmung habe ich mich noch einmal – bald dreißig Jahre nach meiner ersten Lektüre dieses Buchs – mit Patrick Süskinds Das Parfüm auseinandergesetzt. Zunächst habe ich mir ein gebrauchtes Exemplar – die gleiche Ausgabe wie meine ehemalige – bestellt, dann die Verfilmung aus dem Jahr 2006 zum ersten Mal geschaut und die Adaption aus 2022. Buch und erstgenannte filmische Umsetzung sind sehr empfehlenswert. In diesem Werk, das – wie ich jetzt erst herausgefunden habe – dem Genre Magischer Realismus zugeordnet wird, habe ich zwar (noch) nicht gefunden, wonach ich gesucht habe. Dafür aber anderes, nämlich unglaublich bildhaft beschriebene Orte, Zeiten, Situationen und Personen, die mich darüber hinwegblicken lassen, dass der Vorbesitzer meines Leseexemplars hier und da interpretative Anmerkungen hinterlassen hat. Sie hingegen sind sogar ein bisschen interessant, denn ich fühle mich jetzt beim nochmaligen Lesen gleichzeitig so, als säße ich inmitten einer Buchbesprechung. Mein bisheriges Lieblingszitat lautet: »Das geruchlose Kind roch ihn schamlos ab, so war es! Es witterte ihn aus!« Was für ein Bild! Unglaublich!

    Über die beste Freundin einer Freundin ist scheinbar Wolf Spillners Wasseramsel zu mir gekommen, denn ihr Name steht in blauer Schulschrift in meiner Ausgabe. Das muss in den 1980ern gewesen sein, denn kurz vor dem Ende der DDR zog meine Freundin in die Niederlande und ihre Freundin beendete die Schule, sodass es keinen Kontakt mehr gab. Das Buch allerdings ist in meinem Leben geblieben – und diesen Sommer habe ich es zum ersten Mal gelesen! In der größten Online-Enzyklopädie steht, dass es ein Aufklärungsbuch für Jugendliche sei. Na ja … Was ich allerdings bei dieser Geschichte spannend und auch realistisch dargestellt fand, waren die sozialen/politischen Lebenswelten, in denen die erwachsenen Nebendarsteller verortet waren. Hinzu kommen die zumeist schwarz-weißen Illustrationen von Jörn Hennig, die mir wirklich ausgezeichnet gefallen.

    In Iron Woman erzählt die Autorin Rebecca Maria Salentin, wie sie vom Schwarzen Meer zur Barentsee geradelt ist. Sie ist damit die erste Frau, der es gelungen ist, diese zehntausend Kilometer lange Strecke mit dem Drahtesel zu bezwingen. Dieses ist das zweite Buch, das ich nach Klub Drushba von ihr gelesen habe. Ich mag besonders ihren klaren, berührenden, aber auch oft humorvollen Erzählstil und bewundere sie selbst für ihre Offenheit und den Mut, derartige innere und äußere Reisen anzutreten und sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Nach dem Lesen dieses Buchs fühlte ich mich motiviert und angespornt, meine erste eigene Dreißig-Kilometer-Strecke mit dem Rad, das ich als Findelkind im Hof adoptiert habe und bei dem nur ein Gang funktioniert, anzugehen. Ich war ganz schön aufgeregt, erlebte dabei warme Sonne, kalten Wind und frischen Regen, aber dachte jedes Mal: Was würde Rebecca jetzt tun? Kurzum: Ich habe es geschafft! Juchu!

    Krick und Krack ist ein fabelhaftes Kinderbuch von Ladislav Dvořák mit den hübschesten Illustrationen von Zdenka Krejčovà. Es muss eins der ersten Bücher gewesen sein, die mir meine Oma als kleines Kind vorgelesen hat. Denn als ich es kürzlich aus dem Regal nahm und in ihm blätterte, fühlte ich mich in Momente zurückversetzt, die in weiter Vergangenheit liegen. An die Geschichte kann ich mich nicht mehr so gut erinnern, aber an jede Zeichnung im Buch! Nun lese ich die Geschichte dazu und kann, obwohl ich das Ende bisher nicht kenne, sagen, dass sie mir bis dato hervorragend gefällt: Krick und Krack sind ein kleiner Junge und seine jüngere Schwester, die beim Herumtollen auf einer Wiese in ein kleines Loch fallen und somit in der Mäusewelt landen, in der vieles verkehrt herum ist und in der der Zauber der Musik Brücken schafft. Wie wundervoll!


  • I honestly can’t remember how I came across All Fours by Miranda July. But the teaser promised me an exciting story: a woman about my age who embarks on a solo road trip from LA to NYC, which turns out differently than planned. Different is a bit of an understatement, as the story becomes increasingly quirky and entertaining, but also thoughtful and activist. I found the book very interesting and well-written, and I highly recommend it. I have two favorite quotes, »Nobody knows what’s going on. We are thrown across our lives by winds that started blowing millions of years ago.« – »All of the hormones that made me want to seem approachable so I could breed are gone and replaced by hormones that are fiercely protective of my autonomy and freedom.« It’s printed on FSC paper.

    Ich habe eine ambivalente Beziehung zu Franz Kafkas Werken. Hin und wieder lese ich etwas von ihm, aber kann selten erkennen, warum er so gehypt wird. (Letztes Jahr war sogar Franz-Kafka-Jahr.) Ein bisschen anders war es dann bei Die Verwandlung. Ich fand die tragische Geschichte über die Käferwerdung des jungen Mannes Gregor Samsa toll erzählt und bin jetzt tatsächlich neugierig auf noch mehr Kafka-Texte geworden. Diese Geschichte habe ich digital gelesen.

    Als Kind habe ich zu bestimmt jedem Anlass ein Buch geschenkt bekommen, obwohl ich keine Bücherleseratte war. Ich hatte ein paar Lieblingsbücher, die ich wiederholt gelesen habe, aber mochte vor allem Zeitschriften. So kommt es, dass ich jetzt hin und wieder eins dieser alten Kinderbücher, deren Inhalte mir noch unbekannt sind, lese. So auch Lilo Hardels Susanne in Märzdorf. Da zieht eine fünfköpfige junge Familie auf den Wunsch der Mutter aus der modernen Wohnung in der großen Stadt in ein altes, baufälliges Haus auf dem Land. Um als Familie zusammenzubleiben, weil der Vater da eine neue Arbeit gefunden hat. Mein Lieblingszitat aus diesem Buch lautet: „Vergangenheit ist kurz, aber die Zukunft ist lang.“ Mir gefallen auch sehr die Illustrationen von Eberhard Binder in diesem Buch.

    What a Time to Be Alive is Jenny Mustard’s second book, following Okay Days. This book, too, is essentially about interpersonal relationships, this time set in Stockholm. It’s a coming-of-age novel about many first moments in a young woman’s life, written in a very vivid, sensitive, and entertaining way. I know that the author is already writing her next book and I’m really looking forward to it because I like her clear, easy-to-understand, subtly humorous style.


  • Friederike Gräffs Frau Zilius legte ihr erstes Ei an einem Donnerstag ist ein Buch voller ulkiger Geschichten. Es erreichte mich über eine Rezension im hiesigen Stadtmagazin. Es enthält Kurzgeschichten über Menschen, die seltsame Dinge tun, die teilweise möglich, teilweise eher unmöglich sind. Vielleicht handelt es aber auch von Außenseitern oder solchen, die die Grenzen der gesellschaftlichen Konventionen gern ausreizen.

    The Anthropologists by Ayşegül Savaş is another book I found through my favorite influencer channel. Being some kind of anthropologist myself, I was curious right away. The story is about a couple starting their lifes in a foreign city. It’s also about rituals and the challenges that come with creating new traditions. „I wanted to tell her that it was all right, it even made me happy. I wished she would ask me for things more often. This was what I had in mind when I imagined growing native to a place–this sense that I was needed in someone else’s life“, is a quote that stuck with me. This book is also printed on FSC paper.

    The Full Moon Coffee Shop by Mai Mochizuki is an awesome book for people who love magical stories and want to know more about astrology. I didn’t know about this book before even though it is a best-seller in other countries, but I liked the idea of a pop-up coffeeshop with cats. The story is wonderfully written and gives the readers easy-to-understand insights about the going-ons in the universe. I also like the beautiful little illustrations and the fact that the book is printed on FSC paper.

    Good Girl by Aria Aber was also highly recommended in this certain Leipzig magazine. After editing a book about club culture, I wanted to read more books on the subject. This coming-of-age novel is about a young woman from Afghanistan who meets an older man in Berlin’s most famous club and becomes deeply attracted to him and his actions. I haven’t finished the book yet, but I really like it so far. It’s printed on FSC paper.


  • Der grüne Tuul von Frank Töppe ist ein in der DDR erschienenes Kinderbuch, das ich auch tatsächlich seit meiner Kindheit besitze. Als junger Mensch hat es mich gegruselt, denn der grüne Tuul ist ein Froschmensch, der eher als Anti-Held daherkommt, weil er einen speziellen Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser hegt. Heutzutage gefällt mir das Buch sehr, denn die Illustrationen und die Botschaft sind hervorragend. Antiquarisch ist das Buch sogar noch erhältlich.

    I found Weird Fucks by Lynne Tillman on the same shelf as Tanya Tagaq’s book and was sure, because of the great cover, that I had discovered good entertainment. And that’s exactly what it was. The author’s subtle, humorous narrating style reminded me of how Fran Lebowitz and Candace Bushnell tell their stories. But maybe also because they all have something in common: an anthropological perspective of New York City.

    Patti Smith’s book Devotion was given to me as a gift by a good friend. Here the author, who is also a famous musician, explains why she writes. Apart from the very interesting content with numerous photos, I also find the format of the little book and its cover design very appealing.

    Supermarkt, herausgegeben von Elias Kreuzmair und Moritz Müller-Schwefe, stand nicht unweit von Weird Fucks. Ich wählte es, weil ich einerseits selbst eine ambivalente Beziehung zum Shoppen habe und anderseits mich aber auch ganz bewusst einmal (wieder) mit diesem Thema literarisch auseinandersetzen wollte. Die kurzen Geschichten verschiedener Schreibenden haben mir sehr gut gefallen, ebenso wie die Tatsache, dass sie hier klimaneutral abgedruckt wurden.


  • I recently read Anna Metcalfe’s last novel and was really impressed by it. That’s why I was given her short story collection Blind Water Pass. I haven’t finished this book yet, and I actually read it very slowly on purpose and at longer intervals because the stories are very thought-provoking. Also, I don’t really have any better fiction to read right now since it is so good. I like her stories, especially her simple way of telling interpersonal encounters that always seem to be difficult somehow. Natural, renewable, and recycled products were used to produce this book, which makes it even more worth reading.

    Das ist eine Zusammenarbeit, die hoffentlich noch eine Weile geht: Haruki Murakami und Kat Menschik. Honigkuchen ist nicht das erste Buch von beiden, das mich begeistert, denn ich mag die skurrilen, magisch-realistischen Geschichten des Autors und die im modernen Jugendstil verfassten Illustrationen der Künstlerin. Dieses Buch ist ein Zeitgeschenk! Auf Papier aus verantwortungsvollen Quellen gedruckt.

    I first discovered Tanya Tagaq through her music. She is an indigenous throat singer and her song In me overwhelmed me so much when I listened to it for the first time that I had to hear more from her. Then I went to my neighborhood indie bookstore for another reason – and what did I discover there? Her first book called Split Tooth, which, in its mixture of novel-like episodes and poems, also contains the lyrics of this favorite song of mine. So I of course had to buy it. And wow, what a story! When you consider that she, or rather her protagonist, lives in the presence of ice, bears, foxes, and northern lights, the following quote from this book, which actually applies to all indigenous habitats, is more than understandable: »I never understood how foreigners could come and tell us where to die and where to live. Where to be buried and how to breed.« For the lovers of magical realism and those of great illustrations, which are made by Jennifer Griffiths and Jaime Hernandez.

    Dieses Mal nicht in einer Zu-verschenken-Kiste entdeckt, sondern auf (!) einer Papiermülltonne: ein kleines Trompeterbuch vom Kinderbuchverlag Berlin, einem DDR-Verlag. Dieses Mal war es nun Band 92 in der fünften Auflage von 1982 mit dem verlockenden Titel MZ-Geschichten, erzählt von Anton Seidel, aufgeschrieben von Helga und illustriert von Hansgeorg Meyer. Ich hatte bereits drei dieser kleinen Bücher, die Sammlung war also gestartet, also nahm ich dieses Buch mit. Außerdem weckte es meine Abenteurerneugier. Wenngleich für Kinder ab neun Jahren gedacht, so enthält dieses Buch doch sehr schöne Schilderungen der Entstehungsgeschichte und auch detaillierte technische Beschreibungen einer MZ, eines Motorrads aus dem Motorradbau in Zschopau. Was mir außerdem besonders an den Trompeterbüchern gefällt, ist deren Format (A6) und deren gut lesbare Typografie und klare Gestaltung. Sie halten Wissenswertes bereit, sind in wenigen Stunden gelesen und haben stets einen positiven Ton. Mal sehen, wann mir das nächste Exemplar begegnet.


  • In meinem aktuellen Lieblingspodcast, bei dem es sich ganz und gar nicht um Literatur dreht, wurde von Jacky Flemings Das Problem mit den Frauen geschwärmt. Lustigerweise war das Buch der Podcasterin von einem meiner deutschen Lieblingsschauspieler empfohlen worden. Das waren nun schon zwei Punkte, die mich neugierig gemacht haben – ausreichend, um mir das Buch einmal vorzunehmen. Schon bald hatte ich mit ihm wirklich eine äußerst unterhaltsame Zeit, denn es zeigt und illustriert auf humorvolle Art, wie absurd männliche Sichtweisen auf das weibliche Geschlecht waren und möglicherweise auch heute noch sind – und welche Auswirkungen das auf ein selbstbestimmtes Frauenleben haben kann.

    I came across Big Magic by Elizabeth Gilbert from a lifestyle blogger who has given me lots of great literature recommendations. Of course, I had seen Eat, Pray, Love with Julia Roberts, but had never read anything by this author. What I particularly like about this book is how she combines personal anecdotes with advice that can help readers develop or rediscover their creativity. I’ve marked a lot of sentences, but I particularly like the following one: »So try saying this: „I enjoy my creativity.“ And when you say it, be sure to actually mean it. … Be the weirdo who dares to enjoy.« Printed on FSC paper.

    I received Noopiming: The Cure for White Ladies by Leanne Betasamosake Simpson as a gift. And it was such a lovely one because this author has such a refreshing and experimental style of writing. I particularly liked the perspective on what I believe to be a more promising and sustainable indigenous lifestyle that comes with harmony with nature through rites and ceremonies and the associated possibility of healing.

    Gartenfibel von Frieder Gröger und Siegfried Linke war einst in der DDR ein Lehrbuch für Grundschüler gewesen. Vielleicht wurde es damals im Schulgartenunterricht eingesetzt, in dem junge Kinder das Gärtnern lernen konnten. Nun stand dieses Büchlein in einer Verschenkekiste vor einem prächtigen Jugendstilhaus in meinem Viertel. Sein Cover und Innenleben waren so hübsch gemalt, ich konnte es also nicht stehen lassen. Neugierige nimmt es mit durchs Gartenjahr und berücksichtigt dabei heimische/regionale/ostdeutsche Pflanzen und Tiere sowie Obst- und Gemüsesorten und zeigt zielgruppenorientiert auf, was junge Menschen so alles mit ihnen machen können.


  • Manche Bücher würde ich vielleicht gar nicht entdecken, hätten sie nicht die tollen Illustrationen von Kat Menschik, von deren Kunst ich ein großer Fan bin. So ging es mir auch mit Asta Nielsons Im Paradies. Und siehe da, was habe ich nicht alles Tolles erfahren: über Hiddensee, Frauen im Film und über Ringelnatz, den ich eigentlich mit einem anderen Ort an der Ostsee verbinde. Ein wirklich hübsches kleines Büchlein, klimaneutral produziert und verlegt.

    One day at one of my favorite bookstores: There was this minimally designed cover right next to the ones with vibrant colors, that attracted my attention. So I picked up the thin little book, read the text on the back of the book, and opened the first page. The simple and clear writing and the concise sentences fascinated me right away. Then, when I got home, I read the book in one sitting because I liked the dark mood that the author created and I wanted to experience, more or less, what the main character experienced in real-time. Funnily enough, I thought I’d discovered a young, up-and-coming indie author, but a quick research revealed that A Shining isn’t Jon Fosse’s first publication. After all, it’s a great book if you’re looking for a captivating, mystical break.

    Natürlich kenne ich Anton Tschechow, und sicherlich habe ich auch in meiner Schulzeit mal etwas von ihm gelesen. Aber ich kann mich nicht daran erinnern. Nun hatte meine Lieblings-Literatur-Bloggerin seine Kurzgeschichten hochgelobt – und damit meinen Nerv getroffen. Ganz besonders hat mir Die Erzählung des Obergärtners gefallen, denn sie beschreibt auf sehr anschauliche Weise das Wesen von Bewertungen. Die Besten Geschichten ist auf Papier gedruckt, das gute Waldnutzung fördert.

    The same blogger had already recommended Chrysalis by Anna Metcalfe several times and it had been on my reading list for a long time – and was finished after just a few days. What a great read! The interesting but also difficult personality of an influencer who reaches thousands of people via social media is described from three different perspectives. Self-perception, perception of others, role patterns, and illusion are just a few topics that come to mind when reading this entertaining story. A contemporary must-read, already one of my favorites this year. Printed on FSC paper.


  • Auf Maxie Wanders Guten Morgen, du Schöne bin ich tatsächlich über Greta Tauberts Guten Morgen, du Schöner gekommen. Das Buch erschien erstmalig 1977 und porträtiert ostdeutsche Frauen unterschiedlichen Alters mit ihren Biografien und Wünschen an das Leben. Mich haben besonders die Vorstellungen der Frauen von einem erfüllten und gleichberechtigten Arbeits- und Privatleben fasziniert, und ich fand ihre größtenteils emanzipierten Haltungen zu einer kritischen Zeit in einer Republik, die es heute nicht mehr gibt, beeindruckend. Und wie so oft hat es mich auch beim Lesen dieses Buches nachdenklich gestimmt, dass seither Jahrzehnte ins Land gegangen sind, aber die Gleichstellung von Mann und Frau noch immer erst in wenigen Lebensbereichen etabliert ist.

    White Magic by Elissa Washuta was recommended to me by an algorithm. Because I was looking for an easy summer read at the time, its recommendation was wrong in this regard, but the topic of the book – indigenous life today – and its literary implementation – experimental literature – were spot on. The protagonist is a descendant of the Cowlitz people, who live on the northwest coast of the USA and are one of the few remaining hunter-gatherer cultures. To give a tiny glimpse into their worldview, I would like to quote the following paragraph, »A long time ago, animals became people. Nobody was fully animal or fully person, as we think of a person now – these delineations appeared after the Changer transformed the world and turned the Animal People into animals, people, mountains, tideflats, and rivers. Most Cowlitz traditional stories (like those of Salish Sea peoples) come to us from the belly of the change. The Changer turned some Animal People into the spirits that watch over the land.« This quote is only partially emblematic of the entire collection of essays, which is, on the whole, quite dark. Nevertheless, I would like to recommend the book, it is challenging and demanding as well as mind-opening.

    Louise Erdrich’s The Sentence turned out to be completely different than I imagined. When I heard the words bookstore and ghost, I somehow thought of a funny, maybe a little scary story. But then it was a wonderful literary trip for me to Minneapolis, the city in the US that I know best due to multiple visits and research trips, and which unfortunately has to look back on very tragic events in recent years. The latter is also taken up critically in this book and described from the perspective of the protagonist, a woman from the Ojibwe tribe. In addition, the book draws a good picture of today’s lives of indigenous people between tradition, resilience and repression and at the same time is a super exciting crime novel in terms of the spirit already mentioned. Printed on sustainably sourced paper.

    Well, finally, here it is, my relatively lighter summer reading, although I was very moved towards the end (actually at the very last sentence on the very last page). I think I’ve been following Jenny Mustard on YouTube for close to a decade. So I was able to experience the creation of her debut novel Okay Days and I have to say: This book is amazing. The author’s narration is fresh, the episodes are entertaining, and the characters‘ experiences are vividly described. I read it in just a few days, roaming around London with the main characters and suffering with them in exciting and life-changing moments. I like that contemporary issues are given just as much consideration as the big questions of life. I also found the joy of stylistic experimentation, which generally characterizes Jenny Mustard as a person, particularly great. And what I would also like to emphasize is that the author is a proponent of the concept of minimalism – which is also reflected in the layout: I find it simply excellent in terms of font size, line spacing, and highlighting.


  • Als Parkanlage im nördlichen Auenwald bin ich, das Rosental, Leipzigern und ihren Gästen seit bald tausend Jahren bekannt. Suchen Spazierende mich auf, passieren sie zuvor Straßen, Orte und Gebäude, die an Kunstschaffende vergangener Zeiten wie Tschaikowski, Nietzsche oder Beckmann erinnern. Doch wie sieht es mit zeitgenössischen Kreativen aus, die sich hier in meiner Nähe angesiedelt haben und mit ihren Kunstwerken das großstädtische Leben prägen?

    Lieber Stephan, unter dem Pseudonym Wilhelm Schroeder bist du musikbegeisterten Menschen bekannt, denn deine Fotografien haben bereits ein Cover geschmückt und erst kürzlich auch den Release von Oberlins Album Cold Harbour visuell bereichert. Wie ist es denn dazu gekommen?

    Das erste Mal war für einen Freund, der hatte eine Leipziger Metal-Band und folgte mir auf Facebook. Sie hatten gerade ein neues Album gemacht und er hatte halt einfach gefragt, ob ich Lust habe, ein paar Bilder beizutragen – beziehungsweise, ob er meine Bilder verwenden darf. Und beim zweiten Mal war es die Metal-Band eines Kollegen von mir. Genau dasselbe Prinzip. Damals bin ich halt viel – Wie sagt man dazu? Urban Exploring? – in alte, abgerissene Gebäude und habe dort etwas düstere Fotos gemacht und sie dann hier und da noch ein bisschen bearbeitet. Viele sind auch arg verfremdet. Aber wenn man weiß, dass es meine sind, dann sieht man das schon. Man erkennt meine Bilder.

    Auf dem einen CD-Cover ist eine Laterne und auf dem anderen?

    Das ist auch stark verfremdet und wurde von jemand anders dann nochmal bearbeitet. Da ist eine Treppe auf dem Cover. Die übrigen Bilder sind dann im CD-Booklet. Und bei den Postkarten für Oberlin hat es auch thematisch gut gepasst mit Cold Harbour.

    Wie bist du aber überhaupt zur Fotografie gekommen?

    Das ist schon viele Jahre her und war auf einer Klassenfahrt. Da hatten wir einen Sozialarbeiter mit, der uns da immer ein bisschen bespaßt hat. Danach habe ich in der Schule auch Fotokurse gemacht. Da konnten wir uns Kameras ausleihen. Das hat mir damals übelst viel Spaß bereitet. Dann hatte ich so eine ganz kleine Filmkamera und habe da immer ein paar Bilder gemacht. Irgendwann habe ich dann mal – ich glaube auch gebraucht – eine Spiegelreflexkamera gekauft. Also, es ging eigentlich in der Schule los, dass da die Lust kam, zu fotografieren. Ich fand das immer ganz interessant, irgendwelche Bilder einzufangen.

    Hat man euch in der Schule einfach ausprobieren lassen oder war da jemand, der das begleitet hat?

    Nein, die haben uns zuerst ausprobieren lassen. Das ging auch nicht lange, wenn ich mich recht entsinne. Die haben uns hier und da noch ein paar Tipps gegeben und ein paar Tricks gezeigt, aber viel ging dann halt auch wirklich darüber, dass man es mal nachgelesen und sich irgendwelche Fotokursbücher gekauft hat. Also, es war so ein schleichender Prozess.

    Und was hat dich dann dazu gebracht, jetzt fast nur noch mit dem Smartphone Bilder zu machen?

    Ich habe es halt immer dabei. Ich gehe heute gar nicht mehr ohne Smartphone aus dem Haus. Es ist dadurch so einfach geworden, und mittlerweile ist ja auch die Bildqualität super. Man kann auch große Ausdrucke von diesen Aufnahmen machen, und die Qualität wird immer besser. Und ich muss auch sagen: Es ist die Bequemlichkeit, denn ich habe keine Lust, jedes Mal eine ganze Fotoausrüstung mitzunehmen. Früher war es so, da war ich mit ein paar Freunden fotografieren, da hatte man immer einen riesigen Rucksack dabei und ein Stativ, eine große Kamera, zwei, drei Objektive. Diese Bilder sind qualitativ, wenn man ganz genau hinschaut und ranzoomt, natürlich schon etwas besser. Aber für kleinere Ausdrucke, Bücher oder diese Postkarten ist ein Smartphone mehr als ausreichend.

    Wenn du da mit Freunden unterwegs warst: Was habt ihr fotografiert?

    Das war unterschiedlich. Also, wir hatten da eigentlich auch nie irgendein Ziel. Was damals immer sehr angesagt war, war halt, in irgendwelche verlassenen Gebäude oder auf Industriegelände zu gehen, dort ein bisschen herumzuspazieren und einfach mal zu gucken, was man findet und ob es irgendwelche coolen Einstellungen an der Kamera gibt, die man machen kann. Oder wenn das Licht in so eine große Halle fällt: Wie sieht das aus, wenn man das fotografiert? Wir hatten da nie irgendwelche großen Pläne, wir wollten hier und da mal was ausprobieren, mal eine Langzeitbelichtung oder einfach mal so ein bisschen herumexperimentieren.

    Und dann hatte jeder von euch so eine komplette Ausrüstung?

    Ja.

    Das war also schon ein richtiges Hobby, nicht nur mal ein gelegentlicher Schnappschuss hier und da?

    Nein, wir haben uns schon recht regelmäßig getroffen, je nachdem, wie wir arbeiten mussten. Manchmal haben wir auch einfach nur die Bilder bearbeitet mit Photoshop oder neuen Tools, die es so gab.

    Aber du hattest bisher keine Lust, dem professionell nachzugehen?

    Nein. Wäre das mein Beruf, würde ich sehr schnell das Interesse daran verlieren.

    Trotz des positiven Feedbacks?

    Ja. Ich mache es hauptsächlich für mich und nicht, um Geld damit zu verdienen. Auch bei den Veröffentlichungen mit den Bands war das so, da habe ich mal die Promo-CD bekommen oder so. Ich fand das halt einfach eine nette Geste, für die Leute etwas zu machen. Und wenn es denen gefällt und die sagen, wir haben Bock, das bei uns aufs Plattencover zu bringen, dann freut mich das auch immer. Schon damals als Jugendlicher. Meine Bilder Künstlern anzubieten, finde ich immer eine gute Sache. Aber verkaufen möchte ich sie nicht.

    Was löst bei dir eigentlich den Impuls aus, eine Aufnahme zu machen?

    Es kommt streckenweise gar nicht so sehr auf das Motiv an. Wenn ich das Objekt oder das Motiv jetzt gerade in dem Moment interessant finde, ob es jetzt eine Landschaft ist, der Lichteinfall oder ob es irgendwas ganz Banales ist wie ein cooler Sticker, den ich irgendwo sehe, oder ein Graffito: Es muss mich halt catchen. Also, ich muss vorbeigehen, gucken und denken: Das ist schon irgendwie interessant. Es muss halt irgendwas haben: ob es das Licht ist, das Motiv an sich, irgendein cooles Statement oder einfach nur ein schöner Ort. Also, man kann ja auch ein Foto machen, weil es halt einfach nur ein absolut schönes Motiv ist.

    Du denkst, also nicht: Das passt in die Sammlung, die ich schon habe, sondern es ist immer so, dass du merkst, das spricht dich jetzt rein emotional an?

    Genau. Wie das Bild mit dem iRonny-Sticker. Das hat gepasst. Ronny. Irony. Ich fand das halt passend. Manchmal ist es auch einfach nur eine schöne Momentaufnahme. Also, ich gehe beim Fotografieren nicht so ran: Das muss ich jetzt so machen, das muss ich beachten, nicht zu sehr unterbelichten, nicht zu sehr überbelichten. Ich experimentiere einfach, bis es mir gefällt.

    Experimentierst du, bevor du das Foto machst, oder im Nachgang?

    Nein, auch schon während der Aufnahme. Also, ich mache meistens mehrere Bilder. Und dann schaue ich halt. Manchmal gehe ich dann näher ran oder weiter weg, vielleicht hier und da ein bisschen unter- oder überbelichten. Das mache ich dann so in dem Moment, also wie es mir gerade gefällt.

    Und dann machst du das mit den normalen Einstellungen vom Smartphone oder hast du noch verschiedene Apps?

    Ich mache es eigentlich meistens nur mit den bereits vorhandenen Apps vom iPhone. Das geht am schnellsten. Es gibt noch Freeware, die ich gerne nutze. Ich habe mal eine ganze Zeitlang Photoshop genommen, das finde ich bei Portraits immer ganz angenehm. Aber bei Landschaften ziehe ich vielleicht hier und da nur mal ein bisschen die Farbe hoch. Aber sonst finde ich: Zu viel sollte man auch nicht machen. Vielleicht einfach mal ein bisschen die Wärme ändern von dem Bild. Aber komplette Retuschen, wie ich sie früher mal gemacht habe, die finde ich jetzt gar nicht mehr so interessant – außer bei mir selbst vielleicht, bei den Falten (lacht).

    Folgt man dir in den Sozialen Netzwerken, so kann man eine bunte Mischung an Motiven entdecken: Reisefotos, Portraits und Tierbilder kommen häufig vor, aber auch Streetart und skurrile Dinge sind dabei. Was veranlasst dich, genau diese Sachen aufzunehmen und dann zu posten?

    Das sind eigentlich alles Momentaufnahmen, wie beispielsweise die im Vatikanmuseum: Da war eine Scheibe kaputt und durch sie konnte man gut den Petersdom sehen. Das fand ich ein absolut tolles Bild. Oder auf dem Weg in einen Technoclub, da habe ich das Graffito gesehen: Wann 9 Euro Ticket für Technoclubs? Das fand ich ein cooles Statement. Das sind eigentlich fast ausschließlich Momentaufnahmen. Also, auch die Portraits sind mehr oder weniger … (lacht) Momentaufnahmen. Oder das Bild aus Manchester mit dem quadratischen Zaunelement. Da war ich auf einer alten Brücke und da sind Züge vorbeigefahren. Das fand ich total interessant. Da habe ich auch ein bisschen experimentiert, etwas Licht, ein bisschen Überbelichtung und Bewegungsunschärfe hineingebracht.

    Warum bearbeitest du eigentlich die Bilder? Du könntest sie doch auch einfach so posten.

    Das hat für mich einfach ästhetische Gründe. Ich finde, manche Bilder sehen beispielsweise schwarz-weiß interessanter aus. Oder ich mache noch eine Vignette drum, um den Blick noch ein bisschen mehr auf das Objekt zu richten. Das gefällt mir einfach besser.

    Selten haben deine Bilder einen begleitenden Text dazu, meist lässt du sie ganz allein für sich sprechen. Wie kommt es, dass du nie etwas zu ihnen schreibst?

    Ich mache die Bilder ja für mich. Ich weiß ja, wo ich in dem Moment war. Das sind halt einfach schöne Momente, die ich für mich persönlich festgehalten habe.

    Du bist ein an sich sehr aktiver Fotograf, aber im Vergleich dazu veröffentlichst du nur wenige der gemachten Aufnahmen. Was passiert mit allen anderen Bildern?

    Ich habe eine Cloud dafür, und in regelmäßigen Abständen schaue ich immer mal alle Jahre durch und gucke, was ich da gemacht habe. Vielleicht finde ich mal noch ein schönes Bild. Ich finde das auch immer lustig, wenn ich dann mal schaue, was ich vor zehn Jahren gemacht habe und wo ich war. Das sind so schöne Momente. Ich schaue mir die gerne an. Von vielen Bildern, die ich da mehrfach habe und mit denen ich experimentiert habe, behalte ich oftmals auch nur das, das mir am besten gefällt – und dann auch auf Anhieb am besten gefällt. Der Rest wird relativ schnell gelöscht, einfach um nicht so viel Datenmüll zu haben.

    Hast du klassische Fotobücher oder anderweitig physische Fotoalben?

    Nein. Das ist ja das Schöne heutzutage. Das passiert ja alles automatisch, wenn man es in der Cloud hat: Das habe ich am zehnten Mai zweitausenddreizehn gemacht. Oder: Hier, dein Rückblick Juni soundso.

    Schaust du dir das dann auch mal großformatig auf dem TV an?

    Nein.

    Nun habe ich dich auch schon oft inmitten meiner Flure gesehen. Du bist mit Freunden entlang meiner Wiesen spaziert und hast Krähen und Spatzen Gutes getan. Wenn du fotografisch an mich, das Rosental, denkst, was kommt dir da zuerst in den Sinn?

    Dein kleiner See, der Froschteich am Wackelturm. Den finde ich toll. Da gibt es auch diesen einen Baumstamm. Dort finde ich es immer schön, und da bin ich dann manchmal, wenn ich mit dem Fahrrad fahre. Dann setze ich mich da hin, trinke mein Wasser oder rauche eine nebenbei. Dieser See, das Schwanenpaar, ich finde, das ist ein entspannter, ruhiger, schöner Ort.

    Welches Motiv würdest du grundsätzlich gern einmal fotografisch festhalten?

    Es gibt nichts, was ich jetzt unbedingt fotografieren muss. Aber es gibt so viele Motive, ob es jetzt Städte sind oder Gegenden … Aber ich habe da keinen Favorit.

    Wenn du sagst, Städte oder Gegenden, ist es dann grundsätzlich die Reisefotografie, die dich am meisten reizt?

    Ja, ich möchte meine Reisen fotografisch festhalten. Ich war auch schon an vielen Orten, aber spontan würde ich jetzt sagen: Ich würde gerne mal die Moai-Köpfe auf den Osterinseln fotografieren.

    Welches Foto in deinem Feed repräsentiert eine ganz besondere Situation?

    Ich schaue mir immer wieder gern meine Island-Bilder an oder die aus Israel. Ich habe fünf Favorits: Absolut beeindruckt war ich von Le Mont-Saint-Michel. Das ist ein ehemaliges Kloster in Frankreich, das auf einer kleinen Insel steht, wenn Flut ist. Ansonsten ist es von Watt umgeben. Und das sieht wie in die Landschaft retuschiert aus, wie aus Herr der Ringe. Da war ich richtig beeindruckt, das war richtig, richtig toll. Das ist schon gigantisch. Da habe ich mich schon wie in einem alten mittelalterlichen Film gefühlt. Ein weiterer Favorit ist die Grabeskirche in Jerusalem. Das ist total unscheinbar, ohne all die anderen Touristen wäre ich beinahe daran vorbeigelaufen. Aber innen ist da diese riesige Kuppel, sie wirkt wie eine kleine Kirche, wo man dann zum Grab kommen soll. Das fand ich total faszinierend. Ein weiteres Lieblingsbild ist das von den zwei Juden, die mit ihrem Rücken zu mir an der Klagemauer lehnen. Da ist der ultra-orthodoxe neben dem weniger orthodoxen Juden. Das war auch eine Momentaufnahme. Sehr schön fand ich auch Petra in Jordanien bei Nacht. Da war alles beleuchtet. Und eben Island: Dieses Licht, die Natur, das fand ich faszinierend.

    Lieber Stephan, zu guter Letzt: Möchten Interessierte deine Fotografien sehen oder gar Kontakt zu dir aufnehmen, wie wäre das möglich?

    Sie können mir auf Instagram @wilhelmschroeder folgen.

    Ganz lieben Dank!


  • Wolf-Dieter Storls Streifzüge am Rande Midgards hat mein Ethnologenherz höherschlagen lassen. Der weltbekannte Ethnobotaniker beschreibt hier auf sehr anschauliche Weise seine Begegnungen mit Pflanzen, Tieren, menschlichen und zwischenweltlichen Wesen auf seinen Reisen durch Amerika, Europa und Asien. Es gibt unglaublich viele in diesem Buch beschriebene Momente, die ich gern mit dem oder den entsprechenden Reisenden live geteilt hätte. Aber das Erlebnis, das der Autor mit dem Indigenen George Elkshoulder vom Volk der Cheyenne hat, ist mir in besonderer Erinnerung geblieben. Hieraus möchte ich Folgendes zitieren: »Und dann traf es mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Ich verstand. Es war sein Dank an mich. (…) Nicht eine Decke aus Büffelwolle oder eine mit gefärbten Stachelschweinquillen verzierte Gürtelschnalle hatte er mir geschenkt, sondern eine Vision. (…) Visionen sind für Indianer das Heiligste. Ohne Visionen kann kein Mensch, kein Volk leben. Visionen öffnen die Sichtweise zu den geistigen Konturen des Universums, zu den Kräften und Wesenheiten, welche die sichtbare, alltägliche Welt durchdringen und tragen.«

    Seit ich Heike Geißler 2014 für mich entdeckt habe, bin ich ihr treu. Saisonarbeit war die Initialzündung, danach habe ich Die Woche und nun Liegen gelesen. Liegend natürlich. Davor gab es noch ein paar andere Publikationen, ich glaube, da schaue ich demnächst auch mal rein. Das ist ja naheliegend. An dieser Autorin gefällt mir besonders ihre Art zu denken und diese Gedanken dann festzuhalten. Ich kann so vieles, was sie schreibt, so gut nachvollziehen, aber könnte es nie so toll wie sie formulieren und auf den Punkt bringen. Das liegt mir also nicht so gut wie ihr, schätze ich.

    Marlen Hobracks Schrödingers Grrrl war ein Impulskauf zur Langen Leipziger Lesenacht im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2023. Eine junge Frau gibt sich – vertraglich vereinbart – als Autorin eines Buches aus, das ein älterer Schriftsteller geschrieben hat. Mir gefiel besonders die – wie ich sie nenne – Milli-Vanilli-Idee und ich war gespannt, wie sie sich zu einer runden Geschichte entwickeln wird. Schließlich war ich einerseits von den Fragen und Hürden berührt, die sich einer anfangzwanzigjährigen Lebenskünstlerin heutzutage (in den Weg) stellen, andererseits habe ich mich durch die Wendungen und den frischen Schreibstil der Autorin sehr gut unterhalten gefühlt.

    Salvador Dali von Robert und Nicolas Descharnes ist ein Buch, das ich seit den neunziger Jahren besitze, aber noch nie gelesen habe. Ich habe es mir unzählige Male angesehen, ja klar, habe sogar ein Bild hieraus in Aquarell versucht und es in zig Umzugskartons ein- und wieder ausgepackt. Aber gelesen habe ich es erst kürzlich, als das Internet für drei Tage ausgefallen war. Was für ein Glück! Hätte ich doch sonst vielleicht nie erfahren, welch tolle Tipps Dali hier gibt, die das Steuern von Träumen ermöglichen. Gerüche, Düfte und Musik während einer bestimmten Schlafphase sollen dies und grelles Licht das Träumen in Farben bewirken können. Ich denke, das werde ich demnächst alles einmal ausprobieren.